Die wichtigsten Fakten zur Setzzeit von Rehen
- Rehgeißen setzen ihre Kitze in Deutschland überwiegend im Mai und Juni.
- Die Paarung liegt schon im Juli und August; danach folgt eine Keimruhe.
- Die gesamte Tragzeit beträgt etwa 40 Wochen, obwohl sich der Embryo nicht die ganze Zeit gleich entwickelt.
- Meist werden ein bis zwei Kitze geboren, seltener drei.
- Ein allein liegendes Kitz ist oft völlig normal und nicht verwaist.
- In der Setzzeit sind hohes Gras, Wiesen und Mäharbeiten die kritischen Punkte.
Wann Rehe ihre Jungen bekommen
Die eigentliche Antwort auf die Frage, wann Rehe Junge bekommen, lautet für Deutschland: meist im Mai und Juni. Der Deutsche Jagdverband nennt genau diesen Zeitraum als Haupt-Setzzeit. In milden Jahren und je nach Region kann es etwas früher losgehen, teils ab Ende April, und einzelne späte Geburten ziehen sich bis in den Juli hinein. Die Faustregel bleibt aber stabil: Frühjahr bis Frühsommer ist die Zeit der Rehkitze.
| Phase | Typischer Zeitraum | Was passiert |
|---|---|---|
| Paarung | Juli bis August | Die Rehe werden gedeckt. |
| Keimruhe | Bis etwa Dezember | Die Entwicklung ruht zunächst. |
| Tragzeit | Etwa 40 Wochen insgesamt | Der Embryo entwickelt sich später weiter. |
| Setzzeit | Mai bis Juni | Die Kitze kommen zur Welt. |
Wenn ich es auf einen Satz herunterbrechen müsste, würde ich sagen: Die Geburt fällt nicht in den Winter, sondern in die Vegetationszeit. Genau das macht aus biologischer Sicht Sinn und erklärt, warum man Rehkitze in den ersten warmen Monaten häufiger sieht als zu jeder anderen Jahreszeit.
Warum die Geburt erst im Frühjahr stattfindet
Rehe paaren sich schon im Sommer, aber der Nachwuchs kommt erst viel später. Der Grund ist die sogenannte Keimruhe oder Eiruhe: Nach der Befruchtung entwickelt sich das Ei zunächst verzögert weiter. Erst später, wenn die Bedingungen günstiger sind, setzt das eigentliche Wachstum ein. So fallen die Geburten in eine Phase, in der genug Deckung, frisches Grün und damit bessere Überlebenschancen vorhanden sind.
Genau das ist bei Wildsäugern wie dem Reh ein kluger Kompromiss. Ein Kitz braucht im Frühjahr nicht nur Nahrung über die Mutter, sondern vor allem einen sicheren, versteckten Liegeplatz. Im Winter wäre das Risiko durch Kälte, knappe Nahrung und fehlende Deckung deutlich höher. Die Natur hat diesen Zeitpunkt also nicht zufällig gewählt, sondern sehr präzise an den Jahreslauf angepasst.
Die Deutsche Wildtier Stiftung weist seit Jahren auf diesen Zusammenhang hin: Die Rehkitze kommen dann zur Welt, wenn Wiesen hochwachsen und viele offene Flächen zugleich bewirtschaftet werden. Für die Tiere ist das ökologisch sinnvoll, für Menschen mit Mäharbeiten aber genau die sensible Schnittstelle.
Wie viele Kitze ein Reh bekommt und warum man sie oft nicht sieht
Meist bringt eine Rehgeiß ein bis zwei Kitze zur Welt, seltener drei. Bei der Geburt wiegen die Jungen ungefähr ein Kilogramm und sind mit ihrem gefleckten Fell sehr gut getarnt. Das ist kein Zufall, sondern ein Schutzmechanismus: Die Kitze liegen ruhig im Gras, statt dem Muttertier zu folgen, und fallen so für Fressfeinde viel schwerer auf.
Besonders wichtig ist hier der sogenannte Drückinstinkt. Das bedeutet: In den ersten Lebenswochen drücken sich die Kitze bei Gefahr an den Boden und bleiben regungslos liegen. Sie flüchten also nicht sofort, selbst wenn ein Mensch oder Hund in der Nähe ist. Für Außenstehende wirkt das oft beunruhigend, ist biologisch aber völlig normal.
- Das Fell ist gefleckt und dadurch im hohen Gras schwer zu erkennen.
- Die Ricke kommt meist nur kurz zum Säugen und hält bewusst Abstand.
- Das Kitz bleibt oft stundenlang ruhig liegen, ohne dass es deshalb verlassen wäre.
Wer das weiß, interpretiert eine Begegnung mit einem scheinbar allein liegenden Kitz deutlich besser. Genau an diesem Punkt entstehen die meisten Fehlentscheidungen, und deshalb lohnt sich der Blick auf das richtige Verhalten im Gelände.

Was das für Wiesen, Gärten und Hundespaziergänge bedeutet
In der Praxis ist die Setzzeit vor allem für Wiesen, Feldränder und naturnahe Gärten wichtig. Hohe Grasstreifen, Saumbereiche, ungemähte Ecken und ruhige Randzonen werden von Rehen gern als Deckung genutzt. Wer solche Flächen pflegt, sollte in den Wochen von Ende April bis Ende Juni besonders aufmerksam sein.
Für die Mahd heißt das: Große Flächen möglichst nicht blind abfahren, sondern vorher absuchen oder mit ortskundigen Helfern arbeiten. Das gilt vor allem dort, wo Wiesen an Hecken, Gräben, Böschungen oder Waldstücke grenzen. Genau in diesen Übergängen setzen Rehe ihre Jungen besonders gern ab, weil die Deckung gut ist und Störungen geringer sind.
Für Hundebesitzer ist die Regel noch einfacher: In hohem Gras und in der Setzzeit gehört der Hund an die Leine. Selbst ein gut erzogener Hund kann ein Kitz aufscheuchen oder bedrängen, ohne dass er es böse meint. Und wer im naturnahen Garten größere Wiesenbereiche stehen lässt, sollte nicht jede Ecke im Frühling sofort freischneiden. Ein wenig Struktur ist hier kein Pflegemangel, sondern Schutzraum.
- Vor dem Mähen: Fläche prüfen, besonders an Rändern und in Senken.
- Bei Hundespaziergängen: in hoher Vegetation anleinen.
- Im Garten: nicht alle Deckungsbereiche gleichzeitig entfernen.
- Bei Unsicherheit: lieber kurz warten und die Fläche noch einmal kontrollieren.
Gerade naturnahe Flächen profitieren davon, wenn man nicht auf perfekte Ordnung setzt, sondern auf einen sinnvollen Rhythmus zwischen Pflege und Rücksicht.
So reagierst du richtig, wenn du ein Rehkitz findest
Die wichtigste Regel ist schlicht: nicht anfassen. Die Deutsche Wildtier Stiftung und viele Wildtierhilfen weisen zurecht darauf hin, dass gut gemeinte Hilfsaktionen oft mehr Schaden anrichten als nutzen. Ein allein liegendes Kitz ist in der Regel nicht ausgesetzt, sondern wartet nur auf die Rückkehr der Mutter.
- Abstand halten und das Kitz nicht berühren oder hochheben.
- Hund sofort sichern und den Bereich ruhig verlassen.
- Von weitem beobachten, ob ein Muttertier zurückkommt.
- Nicht füttern und nicht mit nach Hause nehmen.
- Bei akuter Gefahr oder Verletzung den zuständigen Jäger, Jagdpächter oder eine Wildtierstation informieren.
Ich würde hier besonders eines betonen: Ein Kitz braucht meistens keine Rettung, sondern Ruhe. Wer es unnötig anfasst, stört die natürliche Bindung und kann dem Tier am Ende mehr schaden, als es zu helfen. Genau deshalb ist Zurückhaltung bei Wildtieren oft die beste Form von Fürsorge.
Warum der richtige Umgang mit Kitzen auch im Garten beginnt
Für mich liegt die eigentliche Botschaft in einem einfachen Gedanken: Naturnähe funktioniert nur mit Rücksicht auf den Jahreslauf. Ein Garten oder eine Wiese, die im Frühjahr nicht komplett aufgeräumt wird, kann Rehen, Insekten und vielen anderen Wildtieren als Rückzugsraum dienen. Das heißt nicht, dass man alles wachsen lassen muss. Es heißt nur, dass Pflege dann am besten ist, wenn sie die Setzzeit mitdenkt.
Wer sich merkt, dass Rehe ihre Jungen vor allem im Mai und Juni bekommen, kann im Alltag viel richtig machen: rechtzeitig hinschauen, Hunde leinen, Mähtermine klug wählen und im Zweifel einen Schritt zurücktreten. Genau diese Mischung aus Wissen und Zurückhaltung schützt Rehkitze am zuverlässigsten.
